Einige Arbeitsabläufe und Tips

Thema: Messer

Herstellung

Material

Pflege

Einleitung
Da das gesamte Thema "Messer" zu umfangreich ist, ich außerdem kein großer Redner und Schreiber bin, sondern eher ein Macher, werde ich mich auf ein paar wenige Aspekte der Herstellung, des Materials (besonders pulvermetallurgische Stähle und Damast) sowie der Pflege beschränken.

1. Herstellung

Alle meine Messer sind handgemachte Einzelstücke, also Messer, die in dieser Ausführung nur einmal hergestellt werden. Dies schließt natürlich nicht aus, daß:

  1. mehrere Messer nach dem gleichen Entwurf gefertigt werden, wobei gewöhnlich unterschiedliche Materialien zur Anwendung kommen,
  2. bei der Anfertigung auch Maschinen verwendet werden.

Ich benutze sogar einen ziemlich umfangreichen Maschinenpark, der jedoch keine automatische Fertigung zuläßt, sondern von Hand bedient werden muß. So kann das Rohmaterial auf der Flachschleifmaschine planparallel geschliffen sowie Integralrohlinge auf der Fräse mit der Schwalbenschwanzführung für die Griffschalen versehen werden. Die Klingen werden auf einer Bandsäge ausgeschnitten und an einem Bandschleifer mit dem Klingenschliff versehen. Ebenso sind Bohrmaschinen, Tellerschleifer und Feinschleifmotoren an der Entstehung beteiligt. Alle diese Maschinen werden jedoch von Hand bedient, ohne jegliche Automatisierung oder Schablonen. Dadurch wird jedes Messer individuell gearbeitet und hat seine eigenen, unverwechselbaren Merkmale.

Der Ablauf der Herstellung von als rostfrei werden Stähle mit über 13% Chrom-Anteil bezeichnet. Kein härtbarer Stahl ist absolut rostfrei, unter bestimmten Bedingungen rosten alle! Edelstahlmessern mit Flacherl sieht wie folgt aus: Aus dem ungehärteten Flachstahl wird die Form mit der Bandsäge ausgesägt, flachgeschliffen und die Löcher für die Beschläge und Griffniete gebohrt. Der Hohlschliff der Klingen erfolgt freihändig am Kontaktrad eines Bandschleifers, ein Flachschliff entsprechend auf der Auflage. Nur so ist die Möglichkeit gegeben, von Klinge zu Klinge vollkommen verschiedene Formen zu gestalten. Dies setzt natürlich einige Übung und Konzentration voraus, besonders bei symmetrischen Klingen von Dolchen u.ä.. Die geschliffenen und gebohrten Edelstahlklingen werden in einer Härterei unter Schutzgas oder im Vakuum gehärtet und auf  HRc ist eine Härte-Maßeinheit (Härte Rockwell cone), Federstahl hat z. B. 50 bis 52, gute Bohrer und Feilen 64 bis 70 HRc angelassen. Die harten Klingen werden nun feingeschliffen, ggf. poliert. Nach dem Annieten der Beschläge werden die Griffschalen eingepaßt und verklebt. Das grobe Abschleifen der Griffe erfolgt wieder auf dem Bandschleifer, die weitere Bearbeitung mit Tellerschleifer, Feinschleifer, Feile sowie abschließend mit immer feiner werdenden Schleifleinen bis zur Körnung 8000 und Politur. Anschließend wird das Logo geätzt, die Scheide angepaßt und das Messer geschärft. Die anderen Messerausführungen wie Spitzerl oder Integral werden in ähnlicher Art gefertigt.



2. Material:

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Das Wichtigste und Entscheidende an einem Gebrauchsmesser ist das Klingenmaterial. Da es jedoch Messer für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke gibt, kann man nicht von "dem Besten" reden, wenn man einen Stahl meint. Es sind hauptsächlich 3 Kriterien, die für die Güte der Klinge beachtet werden müssen (und die sich widersprechen):

  1. die Schnitthaltigkeit, d.h. wie lange eine Klinge unter bestimmten Einsatzbedingungen scharf bleibt
  2. die Elastizität (Bruchfestigkeit) der Klinge
  3. die Schärfbarkeit der Klinge.

Diese drei Eigenschaften kann man sich als Summe vorstellen: wenn man eine Eigenschaft erhöht, verringert man in der Regel die anderen. Durch gezielte Auswahl und richtige Wärmebehandlung des Stahls sowie entsprechende geometrische Auslegung der Klinge muß der Messermacher dafür sorgen, daß diese Summe möglichst groß wird und das Messer für seinen bestimmungsgemäßen Gebrauch optimal geeignet ist.

Hierfür sind oft längere Gespräche mit dem späteren Anwender notwendig, um den Einsatzzweck, die Art der Handhabung und persönliche Präferenzen berücksichtigen zu können.

Die Grenzen zwischen diesen Eigenschaftskombinationen sind jedoch nicht starr, sondern lassen sich je nach gewünschtem Einsatzzweck im gewissem Maß durch entsprechende Wärmebehandlung verschieben.

In dieses Schema lassen sich die Damast-Stähle (technisch: Schweiß-Verbundstähle) nur schwer pressen. Damast-Stähle sind durch Feuerschweißen und wiederholtes Falten aus zwei oder mehr Sorten Stahl und Eisen (oder anderem Material, z.B. Nickel) entstandene Kombinationen, deren Eigenschaften sich durch Materialauswahl, Lagenzahl, Klingenaufbau und Härtung in sehr weiten Grenzen ändern lassen. Zwei Gemeinsamkeiten haben diese traditionellen Stähle: sie sind prinzipiell alle nicht rostfrei, da sich hochchromhaltige Stähle nicht auf herkömmliche Art feuerschweißen lassen, und sie sind gut nachschärfbar. Mit Vorkehrungen gegen das Oxidieren lassen sich allerdings auch rostfreie Stahlsorten feuerverschweißen.

Wenn ich hier sage rostend oder nicht rostfrei, so bedeutet es nicht, daß die Klingen schneller rosten als man sie pflegen kann, wie manch einer befürchtet. Ich kann als Beispiel immer nur sagen, daß ich mit meinen Messern auf Mittelaltermärkte gehe. Die Messer liegen dort 2 bis 3 Tage im Zelt auf dem Tisch, werden von vielen Menschen angefaßt (auch an den Klingen!). Anschließend werden sie in die Scheide gesteckt (ohne sie vorher abzuwischen oder zu ölen) und verbleiben in der Scheide bis sie wieder gebraucht werden. Alles in allem also die Behandlung, die man diesen Messern eigentlich nicht angedeihen lassen sollte. Wenn ein Messer von diesen innerhalb eines Jahres einen leichten Anflug von Rost zeigt, dann ist das schon viel.

Ein weiteres gemeinsames Merkmal aller Damaststähle ist die interessante, sich niemals völlig gleichende Oberflächenstruktur der Klingen, die durch das Ätzen in heißer Schwefelsäure und abschließendes Polieren hervorgehoben wird. Die Arten der Klingenaufbauten und Damastmuster sind so zahlreich, daß ich hier nicht auf jede eingehen kann. Deshalb seien hier nur die wichtigsten aufgezählt  :

Die große Schwierigkeit bei den beiden letztgenannten Arten ist, die Stähle ohne Zerstörung des Musters so zu verschmieden, daß keine größeren Fehler zurückbleiben.



3. Pflege

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Generell sei hierzu gesagt, daß ein Messer möglichst außerhalb der Scheide aufbewahrt werden sollte, wenn es längere Zeit nicht benutzt wird. Bei Damastmessern besteht die Gefahr, daß durch Schwitzwasser die Klingen zu rosten beginnen. Bei allen Messern mit Messing-, Bronze- oder Neusilberbeschlägen kann durch eine Reaktion von Gerbsäure und Lederpflegemitteln (besonders Lederöl) eine aggressive Substanz entstehen, welche die Beschläge stark oxidieren läßt. Die rostfreien Klingen verlangen nur einen sehr geringen Pflegeaufwand. Damastklingen sollten von Zeit zu Zeit leicht mit einem Rostschutzöl (Ballistol o.ä.) abgerieben werden, bei Langzeitlagerung besser mit einem säurefreien Wachspräparat oder reinem Bienenwachs, der auf die warme Klinge aufgerieben wird. Daß man jedes Messer nach dem Gebrauch säubert und nicht in einer nassen Scheide am Ofen trocknet, sollte selbstverständlich sein. Die Griffe verlangen in der Regel keine besondere Pflege; leichtes einölen schadet jedoch nicht und bringt u.U. die Struktur des Holzes besser zur Geltung. Die Scheiden pflegt man am besten mit Lederwachs. Dies fördert im Gegensatz zu Lederöl und -fett nicht die Oxydation und macht auch die Scheiden nicht zu weich. 

Somit ist sicher das Schärfen bzw. das Scharfhalten einer der wichtigsten Punkte der Pflege. Mit einer Härte von über 55 HRc sind die Klingen zu hart, um sie mit dem geriffelten Wetzstahl zu schärfen. Ein glatter Stahl kann ohne Druck benutzt werden, um einer Klinge, die den "Biß" verloren hat, vorübergehend wieder ihre Schärfe zurückzugeben. Zum richtigen Schärfen der Klingen sind aber andere Mittel gefragt.

Abschließend sollte man bei allen Methoden, wenn man die höchste Schärfe erreichen will, auf einem Lederriemen mit feiner Polierpaste die Schneide abziehen. Dies entfernt den feinen Grat, der auch beim Schärfen mit den feinsten Steinen entsteht, und der sich im Gebrauch sofort umlegt und das Messer stumpf erscheinen läßt.

Für eine optimale Standzeit der Schneide sollte auch der Schneidenwinkel der jeweiligen Verwendung angepaßt sein. Für fein schneidende Messer ist ein Winkel von 15 bis 20° richtig, für universelle Anwendungen ca. 20 bis max. 30°, für Haumesser auch bis 50°.

Schlußwort

Ich hoffe, mit diesen Ausführungen ein klein wenig zur allgemeinen Verwirrung beigetragen zu haben und stehe zu den daraus resultierenden Fragen gerne zur Verfügung. ( per e-mail, Fax oder Telefon)

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