Einige Arbeitsabläufe und Tips
Einleitung
Da das gesamte Thema "Messer" zu umfangreich ist, ich außerdem
kein großer Redner und Schreiber bin, sondern eher ein Macher, werde ich mich
auf ein paar wenige Aspekte der Herstellung, des Materials (besonders
pulvermetallurgische Stähle und Damast) sowie der Pflege beschränken.
1. Herstellung
Alle meine Messer sind handgemachte Einzelstücke, also
.
Dies schließt natürlich nicht aus, daß:
- mehrere Messer nach dem gleichen Entwurf gefertigt werden, wobei
gewöhnlich unterschiedliche Materialien zur Anwendung kommen,
- bei der Anfertigung auch Maschinen verwendet werden.
Ich benutze sogar einen ziemlich umfangreichen Maschinenpark, der jedoch
keine automatische Fertigung zuläßt, sondern von Hand bedient werden muß. So
kann das Rohmaterial auf der Flachschleifmaschine planparallel geschliffen sowie
Integralrohlinge auf der Fräse mit der Schwalbenschwanzführung für die
Griffschalen versehen werden. Die Klingen werden auf einer Bandsäge
ausgeschnitten und an einem Bandschleifer mit dem Klingenschliff versehen.
Ebenso sind Bohrmaschinen, Tellerschleifer und Feinschleifmotoren an der
Entstehung beteiligt. Alle diese Maschinen werden jedoch von Hand bedient, ohne
jegliche Automatisierung oder Schablonen. Dadurch wird jedes Messer individuell
gearbeitet und hat seine eigenen, unverwechselbaren Merkmale.
Der Ablauf der Herstellung von
Edelstahlmessern mit Flacherl sieht wie folgt aus: Aus dem ungehärteten
Flachstahl wird die Form mit der Bandsäge ausgesägt, flachgeschliffen und die
Löcher für die Beschläge und Griffniete gebohrt. Der Hohlschliff der Klingen
erfolgt freihändig am Kontaktrad eines Bandschleifers, ein Flachschliff
entsprechend auf der Auflage. Nur so ist die Möglichkeit gegeben, von Klinge zu
Klinge vollkommen verschiedene Formen zu gestalten. Dies setzt natürlich einige
Übung und Konzentration voraus, besonders bei symmetrischen Klingen von Dolchen
u.ä.. Die geschliffenen und gebohrten Edelstahlklingen werden in einer
Härterei unter Schutzgas oder im Vakuum gehärtet und auf
angelassen. Die harten Klingen werden nun feingeschliffen, ggf. poliert. Nach
dem Annieten der Beschläge werden die Griffschalen eingepaßt und verklebt. Das
grobe Abschleifen der Griffe erfolgt wieder auf dem Bandschleifer, die weitere
Bearbeitung mit Tellerschleifer, Feinschleifer, Feile sowie abschließend mit
immer feiner werdenden Schleifleinen bis zur Körnung 8000 und Politur.
Anschließend wird das Logo geätzt, die Scheide angepaßt und das Messer
geschärft. Die anderen Messerausführungen wie Spitzerl oder Integral werden in
ähnlicher Art gefertigt.
Das Wichtigste und Entscheidende an einem Gebrauchsmesser ist das
Klingenmaterial. Da es jedoch Messer für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke
gibt, kann man nicht von "dem Besten" reden, wenn man einen Stahl
meint. Es sind hauptsächlich 3 Kriterien, die für die Güte der Klinge
beachtet werden müssen (und die sich widersprechen):
- die Schnitthaltigkeit, d.h. wie lange eine Klinge
unter bestimmten Einsatzbedingungen scharf bleibt
- die Elastizität (Bruchfestigkeit) der Klinge
- die Schärfbarkeit der Klinge.
Diese drei Eigenschaften kann man sich als Summe vorstellen: wenn man eine
Eigenschaft erhöht, verringert man in der Regel die anderen. Durch gezielte
Auswahl und richtige Wärmebehandlung des Stahls sowie entsprechende
geometrische Auslegung der Klinge muß der Messermacher dafür sorgen, daß
diese Summe möglichst groß wird und das Messer für seinen
bestimmungsgemäßen Gebrauch optimal geeignet ist.
Hierfür sind oft längere Gespräche mit dem späteren Anwender notwendig, um
den Einsatzzweck, die Art der Handhabung und persönliche Präferenzen
berücksichtigen zu können.
- Zu 1. Die höchste Schnitthaltigkeit weisen die pulvermetallurgisch
hergestellten Stähle auf. Wird ein Stahl als übliche Schmelzlegierung
hergestellt, so ist der prozentuale Anteil der Schwermetalle wie Vanadium,
Molybdän und Kobalt stark begrenzt, da sonst bei der Erstarrung der
Schmelze ungleichmäßige Ablagerungen dieser Zusätze auftreten. Bei der
Pulvermetallurgie wird die Legierungsschmelze (meist unter
Sauerstoffausschluß) zu feinsten Pulvern zerstäubt (Korngrößen unter
1µ) und in Reinstraumanlagen im HIP-Verfahren (Hot Isostatic Pressure) mit
Temperaturen bis zu 1200 Grad und Drücken von 2000Atü gesintert. Dies
ermöglicht hohe Schwermetall-Zusätze und eine vollkommen gleichmäßige
Verteilung. Ein weiterer Vorteil dieses Stahls ist, daß die Karbide dieser
Schwermetalle, die für die Verschleißfestigkeit ausschlaggebend sind, im
Gegensatz zu der normalen Größe von ca. 2,5 bis 3µ bei herkömmlichen
Legierungen hier nur unter 1µ groß werden können; das bedeutet: die
Klinge läßt sich feiner schärfen. Übliche Vertreter dieser Stahlgattung
sind der amerikanische CPM-T 440V und CPM 420V, der japanische RWL-34 sowie der schwedische ELMAX bei den
rostfreien Sorten, sowie der CPM 10V, der Vanadis 4 sowie der Vanadis 10
bei den maximal als rostträge anzusehenden Stählen. Diese Stähle
erreichen bei gleicher Härte eine vielfache ( bis 25-fache)
Schnitthaltigkeit gegenüber guten Normalstählen. Die Verwendung derartig
hoch legierter Stähle muß allerdings in vielen Fällen mit leichten
Einbußen bei der Bruchfestigkeit (außer beim Vanadis 4) und der
diffizileren Schärfbarkeit (und einem ca. 3 bis 5-fach höheren Stahlpreis)
erkauft werden. Es werden natürlich laufend weitere Sorten entwickelt, aber
immer im Hinblick auf Werkzeuganwendungen mit wesentlich gröberen
Schneidwinkeln als bei Messern, sodaß nicht jeder neue Superstahl auch für
Messer das Optimale sein muß. Ein Negativbeispiel ist z.B. Supracore, ein
Stahl, der einen Karbidanteil von ca. 50% enthält: bei Werkzeuganwendungen
hervorragend, bei feinen Schneiden zu viele und zu große Karbide, die
ausbrechen; "zu viele Zähne und zu wenig Zahnfleisch", wie ein
Bekannter von mir sagt.
- Zu 2. Eine gute Bruchfestigkeit und Elastizität weisen vor allem die Stähle ATS 34 und
440B, mit Abstrichen bei der Schnitthaltigkeit auch der 440A, auf. Sie
eignen sich somit besonders für leichte Messer mit dünnen Klingen sowie
schwere Haumesser. Sehr gute Werte in Verbindung mit guter Schnitthaltigkeit
erreicht hier auch der pulvermetallurgische Stahl Uddeholm Vanadis 4 und der
fast schon in Vergessenheit geratene Vascowear , die
allerdings nicht rostfrei sind. Auch moderne Klingenmaterialien wie Stellite
und Talonite, beides Sonderwerkstoffe auf Kobaldbasis, und Beta-Titan sind
sehr bruchfest. Alle drei sind absolut rostfrei.
- Zu 3. Generell sind alle rostfreien Klingen schwieriger zu schärfen als
rostende. Dies liegt hauptsächlich am hohen Chromanteil (14 bis 18%), der
die Oberflächen der Schärfgeräte schnell zusetzt. Mit geeigneten Mitteln
ist jedoch auch hier mit vertretbarem Aufwand Rasierklingenschärfe zu
erreichen.
Die Grenzen zwischen diesen Eigenschaftskombinationen sind jedoch nicht
starr, sondern lassen sich je nach gewünschtem Einsatzzweck im gewissem Maß
durch entsprechende Wärmebehandlung verschieben.
In dieses Schema lassen sich die Damast-Stähle (technisch:
Schweiß-Verbundstähle) nur schwer pressen. Damast-Stähle sind durch
Feuerschweißen und wiederholtes Falten aus zwei oder mehr Sorten Stahl und
Eisen (oder anderem Material, z.B. Nickel) entstandene Kombinationen, deren
Eigenschaften sich durch Materialauswahl, Lagenzahl, Klingenaufbau und Härtung
in sehr weiten Grenzen ändern lassen. Zwei Gemeinsamkeiten haben diese
traditionellen Stähle:
sie sind prinzipiell alle nicht rostfrei, da sich hochchromhaltige Stähle nicht auf herkömmliche
Art feuerschweißen lassen, und sie sind gut nachschärfbar. Mit Vorkehrungen
gegen das Oxidieren lassen sich allerdings auch rostfreie Stahlsorten
feuerverschweißen.
Wenn ich hier sage rostend oder nicht rostfrei, so bedeutet es nicht, daß die Klingen schneller
rosten als man sie pflegen kann, wie manch einer befürchtet. Ich kann als
Beispiel immer nur sagen, daß ich mit meinen Messern auf Mittelaltermärkte
gehe. Die Messer liegen dort 2 bis 3 Tage im Zelt auf dem Tisch, werden von
vielen Menschen angefaßt (auch an den Klingen!). Anschließend werden sie in
die Scheide gesteckt (ohne sie vorher abzuwischen oder zu ölen) und verbleiben
in der Scheide bis sie wieder gebraucht werden. Alles in allem also die
Behandlung, die man diesen Messern eigentlich nicht angedeihen lassen sollte.
Wenn ein Messer von diesen innerhalb eines Jahres einen leichten Anflug von Rost
zeigt, dann ist das schon viel.
Ein weiteres gemeinsames Merkmal aller Damaststähle
ist die interessante, sich niemals völlig gleichende Oberflächenstruktur der
Klingen, die durch das Ätzen in heißer Schwefelsäure und abschließendes
Polieren hervorgehoben wird. Die Arten der Klingenaufbauten und Damastmuster
sind so zahlreich, daß ich hier nicht auf jede eingehen kann. Deshalb seien
hier nur die wichtigsten aufgezählt :
- Schichtdamast: hierzu zählen alle Arten, bei denen
die Lagen parallel in der Klinge liegen; z. B. Wilder
Damast, Band- oder Wellendamast, gestempelter Damast wie "große Rosen"
oder "große Pyramiden". Die
Lagenzahlen reichen i.A. von ca. 65 Lagen bei einfachen Gebrauchsmessern
(hier oft mit reiner Stahl-Mittellage als Schneide) bis ca. 2000 Lagen
(meistens Sammlermesser). Lagenzahlen bis ca. 2 Millionen Lagen, wie sie bei japanischen Klingen
vorkommen, sind jedoch ebenfalls möglich.
- Mosaikdamast: hierbei werden oftmals regelrecht
Bilder aus unterschiedlichen Stählen zusammengesetzt. Die Klingen werden
meistens quer aus dem Schweißpaket geschnitten. Die Herstellung dieser Art
ist im Schmiedefeuer bei komplizierten Aufbauten fast unmöglich und wird
mit Hochdruckpressen durchgeführt.
- Torsionsdamast: er besteht als Ausgangsmaterial aus
einem Schichtdamast mit ca. 7 bis 32 Lagen. Das Paket wird in Stabform
ausgeschmiedet und tordiert. Diese Stäbe werden aufeinander gelegt,
meistens abwechselnd rechts und links tordiert, und miteinander
verschmiedet. Die Klingen werden im Allgemeinen mit 1 bis 4 Strängen
ausgeführt. Bei Aufbauten mit 6 oder mehr Strängen spricht man von
"Türkischem Damast". Oft wird bei diesen Klingen zusätzlich eine
Schneidleiste aus Monostahl oder Schichtdamast aufgeschmiedet, um die
Schneideigenschaften zu verbessern; bei den relativ niedrigen Lagenzahlen
wäre sonst zu viel aufeinanderfolgendes weicheres Material in der Schneide.
- Drahtdamast: ein geeignetes Drahtseil (großer
Durchmesser, hoher Stahlanteil) wird verschmiedet.
- Kettensägendamast: durch Verschmieden der Kette
einer Motorsäge entsteht ein interessantes Damastmuster.
Die große Schwierigkeit bei den beiden letztgenannten Arten ist, die Stähle
ohne Zerstörung des Musters so zu verschmieden, daß keine größeren Fehler
zurückbleiben.
Generell sei hierzu gesagt, daß ein Messer möglichst außerhalb der Scheide
aufbewahrt werden sollte, wenn es längere Zeit nicht benutzt wird. Bei
Damastmessern besteht die Gefahr, daß durch Schwitzwasser die Klingen zu rosten
beginnen. Bei allen Messern mit Messing-, Bronze- oder Neusilberbeschlägen kann
durch eine Reaktion von Gerbsäure und Lederpflegemitteln (besonders Lederöl)
eine aggressive Substanz entstehen, welche die Beschläge stark oxidieren läßt.
Die rostfreien Klingen verlangen nur einen sehr geringen Pflegeaufwand.
Damastklingen sollten von Zeit zu Zeit leicht mit einem Rostschutzöl (Ballistol
o.ä.) abgerieben werden, bei Langzeitlagerung besser mit einem säurefreien
Wachspräparat oder reinem Bienenwachs, der auf die warme Klinge aufgerieben
wird. Daß man jedes Messer nach dem Gebrauch säubert und
nicht in einer nassen Scheide am Ofen trocknet, sollte selbstverständlich sein.
Die Griffe verlangen in der Regel keine besondere Pflege; leichtes einölen
schadet jedoch nicht und bringt u.U. die Struktur des Holzes besser zur Geltung.
Die Scheiden pflegt man am besten mit Lederwachs. Dies fördert im Gegensatz zu
Lederöl und -fett nicht die Oxydation und macht auch die Scheiden nicht zu
weich.
Somit ist sicher das Schärfen bzw. das Scharfhalten einer der
wichtigsten Punkte der Pflege. Mit einer Härte von über 55 HRc sind die
Klingen zu hart, um sie mit dem geriffelten Wetzstahl zu schärfen. Ein glatter
Stahl kann ohne Druck benutzt werden, um einer Klinge, die den "Biß"
verloren hat, vorübergehend wieder ihre Schärfe zurückzugeben. Zum richtigen
Schärfen der Klingen sind aber andere Mittel gefragt.
- Der gute alte Sandstein: in feiner Aufführung wie
"Belgischer Brocken" oder "Arkansas-Stein" ist er nach
wie vor eine der besten Methoden, eine wirklich feine Schneide zu erzielen -
wenn man damit umgehen kann. Er verlangt viel Übung, damit man ständig und
auf beiden Seiten gleich den richtigen Schneidenwinkel trifft.
- Lanski - Schärfsatz: durch die Führung der
Schleifsteine eine sehr sichere Methode, die allerdings einige Zeit in
Anspruch nimmt. Dafür kann man auf diese Art aber auch einen Grundanschliff
einer Klinge durchführen.
- Diamant - Schärfgeräte: hier gibt es so viele
verschiedene Arten, daß nur generell gesagt werden kann, daß diese Geräte
von der Härte her selbstverständlich geeignet sind, durch ihre meist sehr
hohe Aggressivität muß man aber meistens sehr vorsichtig sein. Je nach
Bauform gilt ansonsten das vorher gesagte.
- Keramik - Schärfgeräte: Diese bestehen meistens
aus ein oder zwei Paaren von Rundstäben aus spezieller Keramik, die in V -
Form in einen Trägerkörper eingesetzt werden können. Die Klingen werden
nur mit der Schneide nach unten abwechselnd an den Stäben entlanggezogen,
als wenn man einen Span abschneiden wollte. Die V - Form gibt hierbei den
Schärfwinkel vor. Diese Geräte, die es in verschiedenen Größen gibt,
haben sich in der Praxis auch bei ungeübten Benutzern gut bewährt.
- Motorisierte Schärfgeräte: Wegen des meistens
sehr steilen Schneidenwinkels ungünstig und durch die Gefahr des
Ausglühens mit Vorsicht zu benutzen. Diese Geräte sind in den meisten
Fällen zwar zum Nachschleifen zu gebrauchen, zum eigentlichen Schärfen und
Abziehen sollt man auf eine der anderen Methoden zurückgreifen. Eine der
wenigen Ausnahmen ist die "Tormek",
die sich mit ihrem Preis von ca. 370,-Euro nur für Profis lohnt und auch
mehr für Holzbearbeitungswerkzeuge gedacht ist.
Abschließend sollte man bei allen Methoden, wenn man die höchste Schärfe
erreichen will, auf einem Lederriemen mit feiner Polierpaste die Schneide
abziehen. Dies entfernt den feinen Grat, der auch beim Schärfen mit den
feinsten Steinen entsteht, und der sich im Gebrauch sofort umlegt und das Messer
stumpf erscheinen läßt.
Für eine optimale Standzeit der Schneide sollte auch der Schneidenwinkel der
jeweiligen Verwendung angepaßt sein. Für fein schneidende Messer ist ein
Winkel von 15 bis 20° richtig, für universelle Anwendungen ca. 20 bis max.
30°, für Haumesser auch bis 50°.
Schlußwort
Ich hoffe, mit diesen Ausführungen ein klein wenig zur allgemeinen
Verwirrung beigetragen zu haben und stehe zu den daraus resultierenden Fragen
gerne zur Verfügung. ( per e-mail, Fax oder Telefon)
zurück zu meiner Homepage Zurück zum Anfang der Seite